Es war schon fast unmöglich Bern mit dem Auto überhaupt zu erreichen: nachdem meine Mitfahrgelegenheit wegen dem kurzen Aufenthalt in der Schweiz und dem drohenden Jahresende keine Vignette mehr kaufen wollte schlichen wir uns durch die kleinsten Dörfer und höchsten Schluchten (na wenigstens sahen wir etwas von der Schweiz – bei Nacht) an die Hauptstadt heran. Angekommen verhielt sich die Wegessituation aber kein Stückchen besser. Überall wurde abgesperrt und umgeleitet. Grund: der jährliche Zibelemärit (=Zwiebelmarkt). Rund 700 Marktstände kommen an diesem Tage einmalig zusammen. Da hieß es zeitig aufstehen, denn bereits um 4 Uhr morgens können die ersten Waren ersteigert werden.
Wie sollte es auch anders sein wurde die Tradition schnell zum Folklorismus und neben dem eigentlichen Verkauf der Zwiebelkränze gibt es heutzutage Zwiebeln die zu kleinen Schweinchen oder ähnlichem Getier (mein Favorit: der Tausendfüßler) umfunktioniert wurden sowie: der gänzliche Verzicht auf Zwiebeln und damit Kränze, die leckere Süßigkeiten birgen. Ausuferungen wie die auf jedem Markt üblichen Raggae-Banner und einem Deutschen der Fensterputzmittel unters Volk bringen wollte (peinlich…) waren natürlich auch zu beobachten. Der absolute Renner dieses Jahr war aber eindeutig das Ice Age Eichhörnchen (hat das überhaupt einen Namen?). Da lief ich nichts Böses ahnend durch die Gassen und stehe plötzlich neben einem hohen Stand von dem aus mich unzählbar viele Eichhörnchen-Glubschaugen mitleidig anschauen. Herzlos aufgespießt. Ich mußte an mich halten, aber – ganz stolz – ich kaufte keinen.
Gerade vom Eichhörnchen-Schock erholt zog mir ein Kleinkind mit einem Gummihammer eins über. Versehen – denke ich bei mir – bis auf einmal zwei erwachsene Männer auf mich zurennen und die Prozedur mit ihren quietschenden Folterinstrumenten wiederholen. Offensichtlich üblich hier und nach ein paar Stunden Markttreiben verlor ich endgültig die Orientierung. Wo war ich nochmal?? Zwiebeln – Eichhörnchen – Fenster putzen: achja – Zibelemärit Bern. Nachdem ich dann auch noch in eine Konfetti-Schlacht geriet, kapitulierte ich endgültig und stieg in den Zug nach Lausanne: bis zum nächsten Jahr
?




Dezember 7, 2006 at 7:56
Die COOLEN BernerInnen gehen diesem Ereignis natürlich aus dem weg
so wie ich, der zu diesem Zeitpunkt gerade in Bangkok die grossen Shoppingmeilen ablief: u.a. GUESS-, und COACH-Handtäschchen für meine Damen (3 Imitationen, eine echt); PAUL-SMITH Klamotten (echt) und Buddha-Schnickschnack für mich. u.v.a.m.
Ehrlich: Lustig ist der Zibelemärit ja schon. So ein-, zweimal… Für allem aber lustig für Früh- und Spätpubertierende da sich diese duch die gegenseitige Gummihammerknüppelei und Konfettischmeisserei endlich mal etwas näher kommen dürfen (tragisch!). Was dann abends auf dem Rummelplatz – den du wahrscheinlich vom Zug aus gesehen hast – abgeht, kannst du dir sicherlich vorstellen.
Ausserdem ist der Zibelemärit der einzige Tag, an dem es geduldet wird, wenn mann/frau morgens mit einer Alk-Fahne auf der Arbeit erscheint – wenn überhaupt, denn die traditionellen Bernergeschäfte u/o -unternehmen geben ihren Mitarbeitenden an diesem Tag frei – oder zumindest einen halben…
Richtig toll ist der Markt also nur in den allerfrühsten Morgenstunden, dann wenn noch der Nebel durch die Gassen wabert und die ‘echten’ Zwiebelkränze an die Frau gebracht werden – die Männer sitzen zu der Zeit bereits beim Frühshoppen.
Hässlich wirds dann ab 07.00 wenn letztgenannte anfangen den Schulmädchen hinterher zu sabbern und ab 12.00 wenn ebendiese, sich die Papierschlachten mit ihren pickelgesichtigen männlichen Compagnons liefern…
Das einzig gute an diesem Fest ist: es ist – eben typisch schweizerisch-aufgeräumt – punkt 22.00 Uhr zu Ende. In Echt: die Strassen sind zu dieser Zeit schon wieder sauber und wie von Geisterhand leergefegt. Und nichts, wirklich auch gar nichts erinnert mehr an die vorangegangenen Stunden… DAS ist dann der Zeitpunkt, an dem die COOLEN Berner wieder unterwegs sind: auf zu irgendeinem ‘Beizli’ in dem ordentlich und gepflegt über die alljährliche wiederkehrende ‘Megasause’ abgelästert werden kann….
Dezember 7, 2006 at 8:43
@ sir_n: Vielleicht wäre alles anders gekommen, wenn ich mich selbst mit Konfetti und Gummihammer-Folterwerkzeug ausgerüstet hätte…? Gute Vorsätze fürs nächste Jahr
Dezember 7, 2006 at 12:52
…wenn sich intelligente menschen damit bestücken, wird sofort klar: der oder die ist nicht von hier!!!
Dezember 7, 2006 at 2:58
Ich als Schweizer war noch nie da, obwohl ich im Nachbarkanton Solothurn aufgewachsen bin. Shame on me. Wenigsten einmal im Leben will ich das noch nachholen.
Dezember 7, 2006 at 4:47
@sir_n: Na dann sehe ich das mal als Kompliment, noch als “intelligent” angesehen zu werden
Juni 27, 2008 at 2:46
Guter Post, mehr Informationen dazu? Danke im Voraus, Matthias