Verdammt, wieder mal zu spät. In einer halben Stunde wollte ich bei Freunden sein, aber das liebe Internet hielt mich wieder gnadenlos auf. Halbe Stunde = kein Problem? Schaffbar? Vielleicht. Wenn da nicht dieses kleine so harmlos aussehende und doch heimtückische Minus vor der Außentemperatur stehen würde. Das Verlassen des Hauses will wohl überlegt sein: Also rein in die sexy Strumpfhosen, dann Jeans, dann Regenhose, welche aussieht als käme man frisch aus dem Sportunterricht und bei jedem Schritt verdächtig quietscht. Aber egal, sie schützt vor dem Wind. Extra Socken, dicke Stiefel. Soweit ganz easy. Doch jetzt kommt der knifflige Teil.

Man beachte, dass die Klimaanlagen in den Häusern tödlich sind: entweder zu kalt oder zu warm. Das Zwiebelprinzip gewinnt an Bedeutung. Unerläßlich: Langarmshirt – dann meine wollene Strickjacke mit Kapuze und Kuschelfell, darüber mein Cord-Jacket, was bereits arg an die Grenzen des Platzens kommt. Darüber: Fließjacke. Man sollte immer auf Nummer sicher gehen. Sich bereits herausstellendes Problem: Am Hals kann man die vielen Schichten schon gar nicht mehr richtig zumachen, was eine super Angriffsfläche für den Wind ist. Nächste Schicht: Winterjacke. Jetzt gibt es kein Entkommen mehr: Luft anhalten und Reißverschluss bis zum Anschlag hochziehen. Würg. Stimme: eine Oktave tiefer. Alles zur Sicherheit mit dem Schal fixieren. Fehlt nur noch die Mütze, über die die Fellkapuze gestreift und anschließend noch die Kapuze der Winterjacke kommt. Ich fühle mich wie eine gestopfte Masthenne und sehe aus wie Kenny von South Park. Meine Arme stehen 20 cm vom Körper weg, größere Aktionen ausgeschlossen. Nur noch Handschuhe und dann schnellstmöglich das Haus verlassen. Einer tickenden Zeitbombe gleich würde man sonst zerfließen.

Maximale An- und Ausziehzeit: eine halbe Stunde. Mein Mitbewohner schüttelt den Kopf: „Was willst Du bei Minus 40 Grad machen?“ „Dann verlasse ich das Haus nicht,“ konterte ich und stürzte mich in die kalte Nacht. By the way: Mein 1. fließend gesprochener englischer Satz ohne Akzent: „Holy shit. It`s so fucking cold outside.” Na denn, kann doch nix mehr schiefgehen, oder?🙂

Wie schön sind doch Winter-Rückblicke im Juni, wenn man sich anschließend wieder bei 33 Grad auf die Sonnenliege in den Garten packen kann🙂