Juli 2006


Es gibt Orte im Leben, die einen immer wieder begleiten, ohne dass dies einem richtig bewusst ist. Einer dieser Orte in Kanada ist – für mich – der Columbia Lake. Eigentlich völlig unspektakulär und entgegen jeglicher Erwartung ohne irgendwelche Attraktionen. Dennoch verbinde ich mit ihm viele schöne Momente.

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  • Bonfire & S´mores

Kurz nach unserer Anreise – fast ein Jahr zurückliegend – fand am Columbia Lake ein riesiges Lagerfeuer statt. Nach all dem Stress der vergangenen Tage in Deutschland und meiner etwas unkonventionellen Wohnungssuche in Kanada bedeutete dieser Abend für mich: endlich angekommen! Wir machten Bekanntschaft mit anderen Austauschstudenten, Campus-Lagerfeuer-Songs und S`mores: Am Lagerfeuer geröstete Marshmallows, die zwischen zwei Keksen mit Schokolade kombiniert werden. Nicht ganz einfache Prozedur aber super lecker…Für mich der beste Teil des Abends 🙂

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  • Halbzeit & Winterspaziergänge

Abschalten vom Alltag ist wichtig und besonders, wenn man an einem Wintertag Sonnenstrahlen einfangen kann. Aufs Eis begeben wollten wir uns dann aus Sicherheitsgründen doch nicht 🙂

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  • Abschlusspicknick

Kurz bevor sich unsere Wege wieder in alle Richtungen trennen – genauso schnell wie sie vor einem Jahr hier zusammen gekommen sind – hieß es nochmal „Qualitätszeit genießen“ mit einem anständigen kanadischen BBQ. Motto: Essen was geht, denn wir können ja unmöglich so dünn nach Deutschland zurückkehren mit der Behauptung ein Jahr im Fastfood-Land Kanada gelebt zu haben 🙂

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Und manchmal realisiert man bei einem solchen Rückblick, dass es nicht unbedingt der Ort ist, den man vermissen wird, sondern die Freunde, die den Weg mit einem gemeinsam gegangen sind…

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Unbegrenzte Möglichkeiten – ewige Distanzen – wilde Natur pur. Mit Kanada verbindet man vieles und vorallem die Freiheit sich in einem großen Raum bewegen zu können. Doch während der gemeine Urlauber sich mit einem Ausflug in die Nationalparks diesen Traum erfüllen kann und happy wieder heimfliegt, sieht es für „richtige“ Kanadier etwas anders aus. Sie suchen die ultimativ sportliche Tagesaufgabe um den Alltag für ein paar Stunden zu entfliehen, was sich nicht als sehr einfach herausstellt.

  • Versuch 1: Belwood Lake

Sommer, Sonne, Sonntag und wir saßen frisch-fröhlich im Auto zum Belwood Lake (Na gut, 3 Jungs waren gut gelaunt; ich war mir noch nicht so sicher auf was ich mich da eingelassen hatte): ein 12 km langer See mit Staumauer versprach uns gleichzeitig einen langen Nachmittag am Strand. Dort angekommen und nach der Zahlung von 4$ Eintrittsgebühren (Natur ist nun mal teuer) waren wir mit den Örtlichkeiten ein bischen verwirrt. Den See sahen wir, aber wo ist der Strand? Entsetzt mußten wir feststellen, dass dieser tolle See nur für motorisierten Verkehr vorgesehen ist und gebadet wurde im Seechen nebenan. Mitten im Wald befand sich ein Tümpel, in der Mitte ein Maschendrahtzaun um tief von nicht-tief zu unterscheiden und die Kanadier lagen wie die Sardinen einer am anderen. Sogar in Mallorca hätte man mehr Individualität gehabt. Entsetzt und mit der Erklärung, dass „wir nicht im Ententeich schwimmen wollen“ fuhren wir weiter zur nächsten Station.

  • Versuch 2: Elora Quarry

Einstmals ein Steinbruch war hier zumindest schon mal die Athmosphäre angenehmer. Meterhohe Kliffen zäunten diesmal den Badesee ein. Zwar war die Mensch-Wasser-Dichte immer noch hoch, aber zumindest erträglich. Zur Unterhaltung dienten hier die Parkranger. Ihre Aufgabe war es, Badegäste vom Springen der Klippen abzuhalten. Die Aufgabe erschien ein bischen lächerlich in Anbetracht der Tatsache, dass sie vor dem Absprung nicht eingreifen können und während dem Sprung ja bekanntlich auch machtlos sind. Wenn sie aber doch einen Übeltäter erwischen, wird diesem (ohja) das Eintrittsbändchen weggenommen (erwähnte ich die 4$?) und ab gehts nach Hause! Bei wiederholter Straffälligkeit sogar im Polizei-Taxi. Es lebe Kanada mit all seinen Regeln. Wenigstens führt das sogenannte „fool-securityguys“ zumindest zur Belustigung der übrigen Badegäste. Wir sprangen selbst auch zweimal: natürlich nur von halber und legaler Höhe und besorgter Aufsicht einer netten Parkrangerin. Zum Einfangen eines Sonnenbrandes hat es gereicht.

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  • Versuch 3: Klettern

Vom Badewochenende eher abgeschreckt wollten wir diesmal hoch hinaus. Natürlich versteht sich, dass sowas im „nahen Umkreis“ nur in der Kletterhalle möglich ist. Klar, wo auch sonst in Kanada? Dort angekommen, war diese geschlossen. Logisch im Sommer. Mit Entsetzen mußten wir feststellen, dass die gesamten Outdoor-Aktivitäten der „Sportsworld“ nicht im Betrieb waren. Wie bitte? Nachdem wir lustige Tanzspielchen an japanischen Automaten in der Spielhölle nebenan ausprobierten, fanden wir doch noch eine Outdoor-Möglichkeit: Mini-Golfen. Da in Kanada ja gerne die Einweisungsstunden „for your own safety“ ausgedehnt werden, waren wir diesmal positiv erstaunt, dass wir gleich loslegen konnten. Das Wetter tat dasselbige und fing an wie aus Eimern zu schütten. Das Ganze wurde abgerundet von einer Moskitoschwarm-Attacke an deren Folgen ich mich noch heute erfreue.

  • Versuch 4: Kanu fahren

Diesmal mit besserer Planung voraus gings zusammen auf den Grand River. Unser Ziel: 28km. Für diese hatten wir 6 Stunden eingeplant – wir wollten es ja nicht mit dem Eifer übertreiben. Der Grand River entpuppte sich schnell als flaches Strömchen, bei dem man manchmal schneller war, wenn man im Wasser neben dem Kanu herlief. Damit gestaltete sich auch unser Schwimm-Vorhaben etwas schwieriger. Bei jeder noch so kleinen Stromschnelle waren wir hellauf begeistert, mußten aber schnell einsehen, dass andere Herausforderungen gefunden werden müssen. Also begnügten wir uns damit gegenseitig mit Wasserfontänen zu bekriegen oder besonders schwierige „Trails“ mit Gebüschhindernissen am Rande des Rivers zu entdecken. Trotz relativ mildem Grand River muss ich aber eingestehen, dass meine Beine mit Sonnenbrand geplagt sind, meine Arme und Schultern vom Paddeln wehtun, mein Pops vom Sitzen schmerzt und wenn ich die Augen schließe schwankt es immernoch wie im Kanu; sprich: endlich ein erfolgreicher Outdoor-Activity-Tag 🙂

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Wer hätte gedacht, dass dies in Kanada so knifflig sein kann :-)?

Wenn Studenten abschlussprüfungsgestresst sind, kommen sie auf die interessantesten Ideen. Das Foto zeigt die Dana Porter Bibliothek der University of Waterloo bei Nacht. Es bedurfte sicherlich ausreichlicher Planung dieses Bild erscheinen zu lassen. Aussage entdeckt? 🙂

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Das Tolle an einem Germanistik-Studium sind die unzähligen Möglichkeiten an feierlichen Anlässen, die man gerade dann auspackt, wenn man sonst keine anderen Entschuldigungen findet, um sich selbst von der Arbeit abzulenken.

Am 18. Juli fanden wir uns deshalb zusammen um den 142. Geburtstag der deutschen Autorin Ricarda Huch zu feiern. Warum?

  1. Der 142. Geburtstag ist viel wichtiger zu nehmen, als sämtliche runde Geburtstage zusammen, denn sind es nicht die Nebensächlichkeiten, die das Leben so lebenswert machen :-)?
  2. Niemand liest diese „alte Dame“ mehr, dabei sollte uns doch grade ihre Biographie Lust aufs Schmökern machen. Wer noch nie etwas von ihr gehört hat, hier ein kleiner Umriss: Ricarda Huch hatte 10 Jahre lang eine Affäre mit ihrem Cousin Richard Huch, der gleichzeitig mit ihrer Schwester Lilly verheiratet war (Ja, was bedeutet schon Inzest? Wo die Liebe eben hinfällt 🙂 ). Nachdem sie einsah, dass es so nicht ewig weitergehen kann heiratete sie Ermanno Ceconi, den Zahnarzt von Thomas Mann. Dieser wiederum begab sich Jahre später in eine Affäre mit seiner Nichte Käte (der Tochter von Lilly und Richard). Als Ricarda dies rausfindet, läßt sie sich scheiden und heiratet letztendlich ihren Cousin Richard. Es beginnt eine Phase in der sie sexuell freizügige Liebeslyrik verfasst, die stark verurteilt wird. Anschließend erneute Scheidung. Ein bewegtes Leben mit viel „Familienliebe“ und jetzt wissen wir auch endlich, wer Thomas Mann zahntechnisch betreute 🙂
  3. Braucht es da noch mehr Gründe? Ich denke nicht!

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Momentan als Warnhinweis an meinem Kühlschrank, neben dem Magneten „The Cheese stays – you go“. Ich finde damit ist alles gesagt.

Gefunden im Waterloo-Park [kitchener-waterloo] 🙂

Wenn ich ein was gelernt habe, dann, dass es an Unmöglichkeit grenzt mit dem Auto in Manhattan unterwegs zu sein. Blauäugig wie wir waren, haben wir natürlich nicht an das Verkehrschaos in New York gedacht. Nach stundenlangen sinnlosen Kreisen durch die Straßen wurden wir endlich mit einer Parklücke gesegnet.

Allerdings: für den darauf folgenden Tag kündigte sich die Straßen-Putzkolonne an. Von 8 bis 10 Uhr musste die Straße leergefegt werden, im doppelten Sinne. Es scheint aussichtslos zu sein, überhaupt jemals eine gute Lösung für einen Autostandplatz zu finden. So schnell gaben wir aber nicht auf und hatten den ultimativen Plan: Früh aufstehen – Coffee To Go & Donuts – Ausharren im Auto. Wir hielten uns für besonders clever, denn die Lösung schien einfach: Frühstück im Auto und auf das Putz-Team warten, Auto kurz beiseite fahren und anschließend einen neuen Parkplatz finden. Nach dem Durchrauschen der Putzkolonne sollte es ja genügend Möglichkeiten geben.

Es wurde 8, es wurde 9. Kein einziges Auto in unserer Straße bewegte sich. Wir stiegen aus und stellten mit Entsetzen fest, dass der komplette Straßenzug in ihren Autos saß. Soviel zu unserer einzigartigen Idee. In dem Moment kam das Putzauto. Alle Motoren sprangen an und die Autos fuhren entweder kurz nach links auf die Gegenfahrbahn oder nach rechts auf den Bordstein, um dann sofort nach dem Putzauto so schnell wie möglich wieder in die alte Parklücke zurückzusetzen. Gefahr lauerte durch Autos die dem Putzzug folgten, in der Hoffnung irgendwo schneller in einen Parkplatz setzen zu können. Für meine Einparkqualitäten wäre das nix gewesen. Aufregung pur. So etwas Irrsinniges habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen. Im Auto vor uns saß ein Student, der offensichtlich für diesen Job bezahlt wurde. Unglaublich. Anschließend noch die Zeit bis 10 Uhr absitzen, falls eine Polizeikontrolle kommt.

Parkplatz gesichert: bis zur nächsten Straßenfegung 🙂

Es sollte der aufregendste Tag in meinem Leben werden: Ankunft in NYC.

Nach 13 Stunden (oder waren es mehr?) Schmerzen verursachender Busfahrt kam ich mitten auf dem Times Square an. Die E-Mail mit meinen weiteren Instruktionen kannte ich Wort für Wort auswendig: Warte an der Ecke 8th Avenue und 40th Straße; ich sitze in dem einzigen gelben Auto ohne Taxi-Schild. Allein den Ausgang in dem riesigen Bus-Terminal zu finden gestaltete sich schwieriger als ich vermutete. Aber nichts ist unmöglich. Als ich auf die Straße trete, glaubte ich meinen Augen nicht. Auf einer dreispurigen Straße drängte sich der Verkehr: ich sah nicht rot – ich sah gelb. Soviele Taxis hatte ich in meinem Leben nicht gesehen. Wie sollte ich da den gelben Chevrolet meines Freundes ausfindig machen?

Mutig kämpfte ich mich mit all dem Gepäck, welches mich sofort als Tourist entlarvte, zum vereinbarten Treffpunkt. Das war also New York? Der Times Square war groß, laut, bunt und hektisch. Ständig hupten die Taxis, Leute schrieen und genau an der vereinbarten Ecke wurde auch noch gebaut. Der Presslufthammer dröhnte in mein Gehirn während ich verzweifelt darauf hoffte, jeden Moment meinen Freund in der Menge zu erblicken. Mein Bus hatte anderthalb Stunden Verspätung, also rechnete ich nicht mehr damit, dass er noch vor Ort sein würde. Parkplätze auf dem Times Square gibt es nicht. Ich erinnerte mich, dass er gegebenenfalls das Auto parken und zu Fuß kommen würde. Hoffentlich bald. Mit all meinem Gepäck und ohne Geld saß ich da.

Die Menschen sind in New York besser gekleidet, fiel mir auf. Hinter mir war ein Hot Dog Stand, dessen Duft mir Hunger machte. Die Zeit verging…noch eine Stunde, dachte ich bei mir. Einen Parkplatz zu finden ist nicht leicht in Manhattan. Dann noch zurücklaufen wird auch Zeit in Anspruch nehmen. Mir blieb keine andere Wahl. Zwar hatte ich eine Adresse, aber keinen Namen. Ich hielt es für sicherer am Treffpunkt zu bleiben. Nach vier Stunden fing ich langsam an zu verzweifeln. In dem Moment , als ich mich bei dem Gedanken ertappte, den Hot Dog Verkäufer um etwas zu essen anzuschnorren, tippte mich ein Penner an um nach Kleingeld zu fragen. Resigniert erklärte ich ihm, dass ich keinen Penny hätte. Mit einem Blick auf mein Gepäck fragte er plötzlich mitleidig „ Oh my god, are you homeless?“

Jetzt reicht`s. Ich habe noch Hoffnung, erklärte ich ihm, schnallte mir meinen riesigen Trekkingrucksack um und machte mich auf den Weg durch Manhattan. So hilflos bin ich auch wieder nicht. Am ATM mit den teuersten Gebühren zog ich mir etwas Cash und verstaute es paranoid in 10 verschiedenen Taschen. Sicher ist sicher. Nächste Mission: Freund erreichen. Ich bahnte mir den Weg zum nächsten Internetcafè und war sichtlich erleichtert, eine Mail bekommen zu haben.“?????????????“ stand ganz groß in der Betreffzeile. Nachdem er 1000Mal mit dem Auto den Times Square umrundet hatte, entschied er sich zuhause auf mich zu warten. Missverständnis. Wenigstens hatte ich jetzt alle nötigen Informationen. Die Zeit lief ab, also schrieb ich zurück: Bus zu spät – habe gewartet – nehme Taxi – bleibe wo du bist – bis gleich!

Doch nicht homeless. Hallo New York!

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