Es sollte der aufregendste Tag in meinem Leben werden: Ankunft in NYC.

Nach 13 Stunden (oder waren es mehr?) Schmerzen verursachender Busfahrt kam ich mitten auf dem Times Square an. Die E-Mail mit meinen weiteren Instruktionen kannte ich Wort für Wort auswendig: Warte an der Ecke 8th Avenue und 40th Straße; ich sitze in dem einzigen gelben Auto ohne Taxi-Schild. Allein den Ausgang in dem riesigen Bus-Terminal zu finden gestaltete sich schwieriger als ich vermutete. Aber nichts ist unmöglich. Als ich auf die Straße trete, glaubte ich meinen Augen nicht. Auf einer dreispurigen Straße drängte sich der Verkehr: ich sah nicht rot – ich sah gelb. Soviele Taxis hatte ich in meinem Leben nicht gesehen. Wie sollte ich da den gelben Chevrolet meines Freundes ausfindig machen?

Mutig kämpfte ich mich mit all dem Gepäck, welches mich sofort als Tourist entlarvte, zum vereinbarten Treffpunkt. Das war also New York? Der Times Square war groß, laut, bunt und hektisch. Ständig hupten die Taxis, Leute schrieen und genau an der vereinbarten Ecke wurde auch noch gebaut. Der Presslufthammer dröhnte in mein Gehirn während ich verzweifelt darauf hoffte, jeden Moment meinen Freund in der Menge zu erblicken. Mein Bus hatte anderthalb Stunden Verspätung, also rechnete ich nicht mehr damit, dass er noch vor Ort sein würde. Parkplätze auf dem Times Square gibt es nicht. Ich erinnerte mich, dass er gegebenenfalls das Auto parken und zu Fuß kommen würde. Hoffentlich bald. Mit all meinem Gepäck und ohne Geld saß ich da.

Die Menschen sind in New York besser gekleidet, fiel mir auf. Hinter mir war ein Hot Dog Stand, dessen Duft mir Hunger machte. Die Zeit verging…noch eine Stunde, dachte ich bei mir. Einen Parkplatz zu finden ist nicht leicht in Manhattan. Dann noch zurücklaufen wird auch Zeit in Anspruch nehmen. Mir blieb keine andere Wahl. Zwar hatte ich eine Adresse, aber keinen Namen. Ich hielt es für sicherer am Treffpunkt zu bleiben. Nach vier Stunden fing ich langsam an zu verzweifeln. In dem Moment , als ich mich bei dem Gedanken ertappte, den Hot Dog Verkäufer um etwas zu essen anzuschnorren, tippte mich ein Penner an um nach Kleingeld zu fragen. Resigniert erklärte ich ihm, dass ich keinen Penny hätte. Mit einem Blick auf mein Gepäck fragte er plötzlich mitleidig „ Oh my god, are you homeless?“

Jetzt reicht`s. Ich habe noch Hoffnung, erklärte ich ihm, schnallte mir meinen riesigen Trekkingrucksack um und machte mich auf den Weg durch Manhattan. So hilflos bin ich auch wieder nicht. Am ATM mit den teuersten Gebühren zog ich mir etwas Cash und verstaute es paranoid in 10 verschiedenen Taschen. Sicher ist sicher. Nächste Mission: Freund erreichen. Ich bahnte mir den Weg zum nächsten Internetcafè und war sichtlich erleichtert, eine Mail bekommen zu haben.“?????????????“ stand ganz groß in der Betreffzeile. Nachdem er 1000Mal mit dem Auto den Times Square umrundet hatte, entschied er sich zuhause auf mich zu warten. Missverständnis. Wenigstens hatte ich jetzt alle nötigen Informationen. Die Zeit lief ab, also schrieb ich zurück: Bus zu spät – habe gewartet – nehme Taxi – bleibe wo du bist – bis gleich!

Doch nicht homeless. Hallo New York!

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