Unbegrenzte Möglichkeiten – ewige Distanzen – wilde Natur pur. Mit Kanada verbindet man vieles und vorallem die Freiheit sich in einem großen Raum bewegen zu können. Doch während der gemeine Urlauber sich mit einem Ausflug in die Nationalparks diesen Traum erfüllen kann und happy wieder heimfliegt, sieht es für „richtige“ Kanadier etwas anders aus. Sie suchen die ultimativ sportliche Tagesaufgabe um den Alltag für ein paar Stunden zu entfliehen, was sich nicht als sehr einfach herausstellt.

  • Versuch 1: Belwood Lake

Sommer, Sonne, Sonntag und wir saßen frisch-fröhlich im Auto zum Belwood Lake (Na gut, 3 Jungs waren gut gelaunt; ich war mir noch nicht so sicher auf was ich mich da eingelassen hatte): ein 12 km langer See mit Staumauer versprach uns gleichzeitig einen langen Nachmittag am Strand. Dort angekommen und nach der Zahlung von 4$ Eintrittsgebühren (Natur ist nun mal teuer) waren wir mit den Örtlichkeiten ein bischen verwirrt. Den See sahen wir, aber wo ist der Strand? Entsetzt mußten wir feststellen, dass dieser tolle See nur für motorisierten Verkehr vorgesehen ist und gebadet wurde im Seechen nebenan. Mitten im Wald befand sich ein Tümpel, in der Mitte ein Maschendrahtzaun um tief von nicht-tief zu unterscheiden und die Kanadier lagen wie die Sardinen einer am anderen. Sogar in Mallorca hätte man mehr Individualität gehabt. Entsetzt und mit der Erklärung, dass „wir nicht im Ententeich schwimmen wollen“ fuhren wir weiter zur nächsten Station.

  • Versuch 2: Elora Quarry

Einstmals ein Steinbruch war hier zumindest schon mal die Athmosphäre angenehmer. Meterhohe Kliffen zäunten diesmal den Badesee ein. Zwar war die Mensch-Wasser-Dichte immer noch hoch, aber zumindest erträglich. Zur Unterhaltung dienten hier die Parkranger. Ihre Aufgabe war es, Badegäste vom Springen der Klippen abzuhalten. Die Aufgabe erschien ein bischen lächerlich in Anbetracht der Tatsache, dass sie vor dem Absprung nicht eingreifen können und während dem Sprung ja bekanntlich auch machtlos sind. Wenn sie aber doch einen Übeltäter erwischen, wird diesem (ohja) das Eintrittsbändchen weggenommen (erwähnte ich die 4$?) und ab gehts nach Hause! Bei wiederholter Straffälligkeit sogar im Polizei-Taxi. Es lebe Kanada mit all seinen Regeln. Wenigstens führt das sogenannte „fool-securityguys“ zumindest zur Belustigung der übrigen Badegäste. Wir sprangen selbst auch zweimal: natürlich nur von halber und legaler Höhe und besorgter Aufsicht einer netten Parkrangerin. Zum Einfangen eines Sonnenbrandes hat es gereicht.

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  • Versuch 3: Klettern

Vom Badewochenende eher abgeschreckt wollten wir diesmal hoch hinaus. Natürlich versteht sich, dass sowas im „nahen Umkreis“ nur in der Kletterhalle möglich ist. Klar, wo auch sonst in Kanada? Dort angekommen, war diese geschlossen. Logisch im Sommer. Mit Entsetzen mußten wir feststellen, dass die gesamten Outdoor-Aktivitäten der „Sportsworld“ nicht im Betrieb waren. Wie bitte? Nachdem wir lustige Tanzspielchen an japanischen Automaten in der Spielhölle nebenan ausprobierten, fanden wir doch noch eine Outdoor-Möglichkeit: Mini-Golfen. Da in Kanada ja gerne die Einweisungsstunden „for your own safety“ ausgedehnt werden, waren wir diesmal positiv erstaunt, dass wir gleich loslegen konnten. Das Wetter tat dasselbige und fing an wie aus Eimern zu schütten. Das Ganze wurde abgerundet von einer Moskitoschwarm-Attacke an deren Folgen ich mich noch heute erfreue.

  • Versuch 4: Kanu fahren

Diesmal mit besserer Planung voraus gings zusammen auf den Grand River. Unser Ziel: 28km. Für diese hatten wir 6 Stunden eingeplant – wir wollten es ja nicht mit dem Eifer übertreiben. Der Grand River entpuppte sich schnell als flaches Strömchen, bei dem man manchmal schneller war, wenn man im Wasser neben dem Kanu herlief. Damit gestaltete sich auch unser Schwimm-Vorhaben etwas schwieriger. Bei jeder noch so kleinen Stromschnelle waren wir hellauf begeistert, mußten aber schnell einsehen, dass andere Herausforderungen gefunden werden müssen. Also begnügten wir uns damit gegenseitig mit Wasserfontänen zu bekriegen oder besonders schwierige „Trails“ mit Gebüschhindernissen am Rande des Rivers zu entdecken. Trotz relativ mildem Grand River muss ich aber eingestehen, dass meine Beine mit Sonnenbrand geplagt sind, meine Arme und Schultern vom Paddeln wehtun, mein Pops vom Sitzen schmerzt und wenn ich die Augen schließe schwankt es immernoch wie im Kanu; sprich: endlich ein erfolgreicher Outdoor-Activity-Tag🙂

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Wer hätte gedacht, dass dies in Kanada so knifflig sein kann :-)?