August 2006


Ein Jahr – so dachte ich – das ist eine halbe Ewigkeit. Aber jetzt muss ich feststellen, dass kein Abschnitt in meinem Leben so schnell vorübergezogen ist, wie dieses Studienjahr in Kanada. Bald geht es los auf große Reise durch Kanadas Westen und den Staaten bevor ich endgültig wieder deutschen Boden betrete. Da es zu lang und ich wahrscheinlich zu sentimental werden würde, lass ich einfach ein paar Fotos mein Jahr Revue passieren.

  • Ankunft in Kanada

Am 3. September 2005 sollte alles anfangen: zusammen mit Susi und Michi hieß es Abschied nehmen von unseren Familien und auf ins unbekannte Land 🙂

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  • 31 Culpepper Drive, Waterloo, Ontario

Für ein Jahr wurde diese Adresse schnell zu meinem Zuhause. Nicht zuletzt auch wegen meinem netten Mitbewohner Tristan, der mir mit seinen ganzen Omeletts einen Cholesterin-Schock verpasst hätte, wenn ich noch ein Jahr geblieben wäre 🙂

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  • University of Waterloo

Zusammen mit 9 anderen Master-Studenten hieß es „hinein ins Unileben“

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  • Ausflüge:

Was das Schönste war? Well, the best place on earth – is where your friends are!

  • Algonquin – Provinzialpark

Meine 1. Kanufahrt und gleich das 1. wilde Tier entdeckt: ein kanadischer Frosch 🙂

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  • Toronto

Da Waterloo nur eine Stunde von Toronto entfernt liegt, führten uns viele Ausflüge in die Multi-Kulti-Stadt, oder zum Relaxen zur Hippie-Community auf Toronto Island

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  • Niagara-Fälle

Ja, wir wurden nass und ich hätte nie gedacht, dass meine Kamera das überlebt 🙂

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  • Weinprobe in Ontario

Sorry, dass ich das sage: aber kanadischer Wein schmeckt nicht. Dafür war das Weingut der Stonechurch Winery sehr idyllisch und lustig wars allemal 🙂

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  • Killarney Nationalpark

Der wohl anstrengenste Trip: Kanufahren – Wandern und nachts heulten die Wölfe. Oder waren es doch nur Loons? Ich traute mich nachts nicht allein aus dem Zelt…

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  • Montreal

Rauchen in öffentlichen Einrichtungen – Alkohol im Supermarkt. Was in Deutschland normal ist steht unter strengem Gesetz in Ontario. Die Quebecer halten aber nichts davon und so befanden wir uns in Montreal kurzzeitig im Sünder-Paradies 🙂

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  • Quebec City

Die wohl schönste und auf jedenfall historischste Stadt Kanadas. Für einen Augenblick fühlte ich mich fast wie daheim in Bamberg. Aber eben nur fast 🙂

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  • Montmorency Falls

Zwar sind diese nicht vergleichbar mit den Niagara-Fällen, aber dennoch im zugefrorenen Zustand sehr beeindruckend. Leider erfuhren wir zu spät, dass man auch hätte Eis-Klettern gehen können. Beim nächsten Mal… 🙂

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  • Abfahrts-Ski in Mount St. Anne

Ich glaube, ich habe heute noch ein paar blaue Flecken von den Stürzen 🙂

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  • Cottage-Urlaub und Ski-Langlauf in Muskoka

Eisige Kälte, aber beim Langlauf wurde uns warm. Das Wasser kam aus einem Eisloch im See und die Wärme vom Kamin: da war Holz hacken angesagt – für die Jungs 🙂

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  • Flucht über die Grenze: New York – Boston – Albany

Manchmal braucht man eine Pause. Deswegen gings im Mai auf eine kleine Staaten-Rundreise. Fazit: Blasen an den Füßen von New York – wegen Regen kaum was gesehen von Boston (was nix machte, denn das Hotel war ein Traum 🙂 ) – und totale Überraschung in Albany (wer hätte gedacht, dass die Stadt so schön ist…)

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  • Ottawa

Kanada zu verlassen, ohne die Hauptstadt Ottawa besucht zu haben, ging mal gleich gar nicht. Da ein lieber Freund aus Waterloo dort einen Job bei Foreign Affairs bekam, bot sich die Gelegenheit sich spontan selbst einzuladen 🙂

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  • Wasaga Beach

Ein letztes Mal Strand-Feeling in Ontario genießen mit Blick auf die „Blue Mountains“ und abends: mein 1. Auto-Kino-Erlebnis. Übrigens ist es super nett, wenn an der spannendsten Stelle durch den Lautsprecher kommt: Ladies and Gentlemens, the snackbar ist closed in five minutes…“ 🙂

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Ich werde Kanada mit all den lieben Leuten, die den Weg mit mir zusammen gegangen sind, so sehr vermissen und mit Sicherheit eines Tages hierher zurückkehren . . . DANKE !

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Lange hatte ich Angst, diese erschütternde Wahrheit an die Öffentlichkeit zu bringen, aber da mein Studienjahr hier fast vorbei ist, wage ich es doch. Es geschah an einem unschuldigen November-Winter-Tag. Auf dem Weg zur Uni machte ich ein Päuschen bei Tim Hortons, um meine Finger am heißen Kaffee zu entfrieren. Reine Vorsichtsmaßnahme, damit man anschließend ohne Mühe die Türen zur Uni öffnen kann. Bewaffnet mit meinem geliebten Heißgetränk und einem Muffin (es bleibt ja nie bei ein was…) betrete ich den Gradroom der Masterstudenten. Unser Aufenthaltsraum ausgestattet mit 3 Computern. Viel zu spät und mal wieder mangelnd vorbereitet wollte ich wenigstens noch einschlägige Internet-Enzyklopädien nach ihrer Meinung befragen. Das Risiko in die Tastatur zu krümeln oder Kaffee zu verschütten ist mir bekannt: aber mal ehrlich – wir sind doch alle geübt und wer hält sich denn tatsächlich an diese „keine Getränke und Lebensmittel in der Nähe von technischen Geräten – Regeln“? An diesem Morgen sollte es aber anders werden. Ich beschlagnahme meinen Computer und locke mich ein als oben zu sehende Nachricht in meinem Account erscheint: „nenders (das bin dann wohl ich…) – a gentle reminder: food (eating in general) or refreshments (drinking) are prohibited in the Arts Computing Labs“. Die nette nähere Erklärung in Klammern – nur um sicher zu gehen das ich es auch verstehe – mal abgesehen, war mir die Sache – erwischt worden zu sein – dann doch etwas mulmig. Vorsichtig luke ich über den Monitor, drehe mich um und schaue nach versteckten Kameras. Wie haben sie das rausbekommen? Es blieb mir bis heute ein Rätsel, aber seit diesem Tag habe ich wenigstens immer lieb gelächelt, wenn ich mal wieder zu spät mit Kaffee und Muffin in den Raum gestürmt bin. Sachen gibts 😉

Auf dem Weg von Kitchener-Waterloo zum Lake Huron ganz unerwartet ein Stückchen Heimat:

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Selbst im fernen Kanada ist Bamberg mit uns . . . 😉

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Angenehm überrascht – neugierig – geschockt. Ich weiss gar nicht mehr, was ich dachte, als mich jemand auf den Artikel „Giving and getting more oral must be a fair trade“ – wohlbemerkt in unserer Studentenzeitung („Imprint“ / University of Waterloo) – aufmerksam machte. Noch am selben Tag zuvor unterhielt ich mich übers Internet mit einer Freundin aus Deutschland, um ihr davon zu berichten, wie „prüde“ die Kanadier sind und das man schon als „refreshing“ oder „very open-minded“ angesehen wird, wenn man einfach aus guter Laune heraus im Wohnzimmer zu einem tollen Song zu tanzen anfängt. Ich dachte, dass mich dieser Artikel eines Besseren belehren wird und das meine doch mittlerweile nicht ganz vorurteilsfreien Einstellungen gegenüber der kanadischen Sexualitäts-Manier sich ändern werden. Pustekuchen. Ja, ich habe einige Teile des Artikels neongelb gemarkt, weil ich es einfach nicht fassen konnte und das Ganze noch einmal zusammengefasst reflektieren wollte.

Thema des Artikels ist altbekannt und jedes Teenie-Mädchen-Heft hat es schon diskutiert: Wie mache ich es? Wie bringe ich ihn dazu es mir zu machen? *Gähn*

Mit dem Aspekt des „fair trade“ sollte ja eigentlich keine schlechte Basis geschaffen sein und die Tatsache, dass auch noch eine Frau den Artikel schrieb, sollte vielleicht ein paar nette Aspekte aufdecken.

Stattdessen lese ich in den ersten 3 Spalten (aus 4) darüber, wie ich es ihm am angenehmsten bereiten könnte. Ich erhoffte mir hieraus wenigstens ein bischen Ironie, etwas zum Schmunzeln, witzige Begebenheiten, etwas Unalltägliches. Doch der Artikel blieb ernst und wurde zum Tatbericht: lockere Position suchen – Schaft festhalten, damit ich nicht würgen muss, sollte es im Eifer des Gefechtes zu tief werden – und bitte: wenn schon DER Part im Mund ist, dann nicht noch mehr. Das „letzte Stück“ wird ordentlich mit der Hand zuende gebracht, denn „A comfy head-giver is a happy head-giver. And a happy head-giver is a repeat head-giver“.

Die Devise „schlucken statt spucken“ hat mir die Bravo bereits mit 14 erklärt und jetzt halte ich tatsächlich ein Blatt einer Studentengemeinde in der Hand. Sind wir nicht alle etwas mehr erwachsen geworden?

Der „fair trade“ blieb übrigens aus. Obwohl von einer Art- oder soll ich sagen Leidensgenossin verfasst, stellt sie das weibliche Geschlechtsorgan (gestern habe ich übrigens den nett ausgedrückten Slang „little man in a boat“ dafür gelernt) als stinkende „Region“ dar und rät den Einsatz diverser Mittelchen, um als Ergebnis nach Ahorn zu riechen. Das war schon immer mal mein Traum. In welcher komfortabeln Stellung ER allerdings zugange kommen kann, wird nicht erwähnt, dafür aber die letztendliche Notlösung alles mit Nutella zu überschmieren, falls die Ahorn-Idee nicht funktioniert.

Ich für meinen Teil halte mich dann doch lieber an den Gratisgutschein von Quiznos Sub, der auch auf der Seite abgedruckt ist, denn in dem „best Sandwich I`ll ever eat“ verspreche ich mir dann doch mehr Befriedigung.

Es war ja vorwegzusehen, dass wir uns ausgerechnet den heißesten Tag der Woche aussuchen würden für unsere kleine Radl-Tour. Doch mit viel Motivation angespornt wollten wir es uns dann doch nicht mehr nehmen lassen und brachen auf ins nahe gelegene Dörfchen St. Jacobs.

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Da man ja zugeben muss, dass neben dem ganzen Country-Style für uns Mädels auch was geboten sein sollte, zog es uns zuallererst auf den Farmers Market: Shopping-Fever :-). Neben allerlei touristischen Krams, dem wir entsagen konnten (ok, das war gelogen – obwohl ich fest darum bat, mich davon abzuhalten wenn ich anfange Klimbim zu ersteigern – wurde es dann doch wieder eine Sonnenbrille und: den werde ich auch noch sooo oft brauchen – ein Cowboyhut). Sehenswert sind aber auf jeden Fall die Obst- und Gemüsestände der Mennoniten*. Ein kleiner Einblick ins Leben früherer Zeiten: neben den Verkaufsständen stehen die Pferdekutschen.

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Auf dem Weg ins eigentliche St. Jacobs Dörfchen kamen wir an einigen Farmen vorbei. Ausgerüstet mit meinem neuen Hütchen hätte ich gleich dort bleiben können :-). Jede Farm bietet ihre eigenen Produkte zum Kauf an und so findet man entlang der Straße immer wieder kleine Stände mit liebevoll gestalteten Preisschildern. Auf dem Highway gibt es überall „Slow Moving Vehicle“- Schilder, um darauf hinzuweisen, dass man den Weg mit den Mennoniten-Kutschen teilt. Na gut, uns hätte man mit unseren Rädern auch dazu zählen können :-).

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In St. Jacobs angekommen fühlt man sich wie in einem Spielzeugstädtchen. Im Jahre 2002 feierte der Ort seinen 150 Geburtstag und viele historische Häuser – bis heute noch in Betrieb – zeigen ein Bild, als wär die Zeit ein bischen stehengeblieben. Nach einem Streifzug durch eine kleine Besenfabrik pilgerten wir in den ortsansässigen Schoki-Laden um uns durch die unzähligen Sorten an homemade Fudge zu naschen und anschließend einen leckeren Iced Cappuccino auf der Veranda zu genießen. In dem Moment wurden wir sogar von anderen Touristen nach dem Weg gefragt: wie schön, einmal nicht als Fremder identifiziert zu werden. Lag bestimmt an meinem Cowboyhut… :-)*²

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Auf jeden Fall trotz der unerträglichen Hitze ein lohnenswerter Ausflug. Einzige Enttäuschung: auch in St. Jacobs durfte natürlich ein Tim Hortons Drive Thru nicht fehlen – ob das auch für Kutschen gilt ;-)? Damit wieder zurück zur Stadt.

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– – – –

* Die Mennoniten richten ihr Leben streng nach der Bibel aus und vermeiden die uns so liebgewonnenen „Annehmlichkeiten des modernen Lebens“.

*² Nein, ich werde den Cowboyhut nicht noch einmal erwähnen…ups, jetzt hab ich`s ja doch getan ;-).

Da denkt man sich nichts böses & dann findet man doch tatsächlich „Aecht Schlenkerla Rauchbier“ aus Bamberg im LCBO (= Liquor Control Board of Ontario). Soviel Geschmack hätte ich den Kanadiern gar nicht zugetraut 😉

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Da kommen vielleicht Erinnerungen hoch – wird doch Zeit das ich zurückkomme . . .

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This monument on Parliament Hill in Ottawa, created by Barbara Paterson in 2000 honours the „Famous 5“ – Irene Parlby, Louise McKinney, Nellie McClung, Emily Murphy and Henrietta Muir Edwards. Prior to 1928, the Supreme Court of Canada ruled that women were not eligible for appointment in the Senate because they were not seen as „qualified persons“ – the „Famous 5“ appealed this statement by going to the highest court in the British Empire. On October 18, 1929, the Privy Council reversed the decision made by the Supreme Court. The newspaper headline „Women are Persons!“ reflects some of the actual headlines of the day.

We joined these five women in their celebratory tea.

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These five determined activists not only brought about the right for women to serve in the Senate, but they also paved the way for women to participate in other aspects of public life (Agnes MacPhail – first female member of Parliament; Ellen Fairclough – first female cabinet minister; Cairine Wilson – first female senator; Jeanne Sauvé – first female speaker of the House of Commons and first female governor general of Canade; Kim Campbell – first female prime minister of Canada; etc.).

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