September 2006


Eigentlich war ich in Harlem unterwegs um etwas in die Geschichte dieses Viertels einzutauchen. Als fast einzige Weisse auf der Straße kann ich nicht sagen, dass ich mich dabei wohl fühlte. So war ich froh, als ich in die 122 Straße Ecke Lenox Avenue einbiegen konnte, weil sich dort ein paar alte Häuser befinden sollten. Die Häuser gab es auch, daneben aber auch noch viel mehr: Ich rannte mitten in einen Filmdreh von Universal. Es handelte sich dabei um „American Gangster“ mit Denzel Washington und Russel Crow.

Damit verbinde ich voll und ganz das Leben in New York City: man rennt unbewußt in die anstrusesten Sachen 🙂

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Zum Glück bleibt uns heutzutage erspart, dass wir über Ellis Island nach New York reisen müssen und zum Glück haben wir auch bequemere Reisemöglichkeiten. Nach einem ausgiebigem Tag im Financial District entschied ich mich kurzerhand doch auf die Fehre aufzusteigen, das schöne Wetter zu genießen und zur Freiheitsstatur zu fahren.

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Ein Besuch der sich lohnen sollte, denn aufgrund des Datums 9/11 waren sämtliche Museen und der Aufstieg zur Freiheitsstatur kostenlos und die Warteschlangen sehr gering. Auf dem Weg zur Freiheitsstatur begann ich ein Gespräch mit der Frau hinter mir und es stellte sich heraus, dass es Catherine Steinmann war, eine sehr bekannte Fotografin (irgendwie ziehe ich Fotografen an 😉 Das Bild mit mir hat sie gemacht). Sie erzählte mir, dass sie den Aufbau und den Fall des World Trade Centers miterlebt hätte,was ich sehr interessant fand (Das Thema durchzog die ganze Stadt an diesem Tage). Weg vom tragischen Ereignis sprachen wir über ihre Aufenthalte in Paris und Berlin, ihr neues Buch über Tibet und der Kunst des Fotografierens im Allgemeinen. Ich habe noch nie so einen aufgeschlossenen Menschen erlebt, wenn man bedenkt, dass wir uns seit zwei Minuten auf der Fehre kennen. Aber das ist New York. Meine Meinung über die Unpersönlichkeit der Stadt muss ich endgültig revidieren – ich lerne jeden Tag neue Leute kennen, die mit mir ein Stückchen gemeinsam gehen. Man ist nie alleine – erst recht nicht wenn man allein reist…

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Bei der Freiheitsstatur angekommen lief ich in Ruhe das Gelände ab. Der Aufstieg zur Statur war schnell und schmerzlos. Vor mir in der Schlange: Deutsche. Wie sollte es auch anders sein? Es ist unglaublich wieviele deutsche Touristen sich hier rumtreiben. Jedesmal wenn man jemanden deutsch sprechen hört, ist es wie ein Stich ins Herz, denn es erinnert an den baldigen Rückflug. In dem Moment fing ein Angestellter ein Gespräch mit mir an und fragte mich wo ich denn her seie. Die Deutschen schauten mich an und ich sagte ohne zu zögern „Kanada“. Sie drehten sich wieder um und ich hatte wieder meine Ruhe. – Noch nicht! –
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Leider ist es nicht mehr möglich bis rauf zur Fackel zu laufen, so war die Aussicht zwar toll, aber nichts ungewöhnliches. Viel interessanter war da die Ausstellung im Inneren der Statur über die Entstehung und bauliche Einzelheiten. Der nächste Haltepunkt war Ellis Island. Gleich im Eingang stapelten sich die Reisetruhen der Immigranten, was sehr beeindruckend wirkt. An Computern konnte man herausfinden, welche seiner Verwandten über Ellis Island gekommen ist. Von mir: keiner. Leider. Überall hingen Dokumente und Listen der vergangenen Tage, auch viele deutsche Dokumente zu meinem Erstaunen. Es ist interessant zu wissen, dass hier viele Immigranten eintrafen, mit großer Unsicherheit, oftmals krank aber mit unendlicher Hoffnung. Manche von ihnen wurden abgelehnt und mussten ihre lange Reise wieder zurück antreten. Ein schrecklicher Gedanke. Bei solchen Zeitzeugnissen wird einem bewußt, wie gut wir es doch haben und wie sehr uns doch die Welt offen steht. Ich bin froh über jeden Tag, den ich in der „Fremde“ verbringe.

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Es ist genau fünf Jahre her seit dem schrecklichen Anschlag auf das World Trade Center. Pünktlich zu diesem Jahrestag kursieren auch wieder neue Videos im Internet, die eindeutig beweisen, dass dies keine terroristische Hand war, sondern ein Angriff aufs eigene Land. Strategie.

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Ich wollte unbedingt mit eigenen Augen sehen, was in New York am 11. September „los ist“ und wie die Amerikaner zu diesem „Ereignis“ stehen. Der komplette Ground Zero war geschmückt mit Fotos von Verblichenen, Briefen und Blumen. Im Hintergrund werden die Namen der Toten verlesen und immer mal wieder zwischendurch Reden von Zurückgebliebenen, Tränen, Verzweiflung. Daneben sitzt ganz ruhig eine buddhistische Gruppe auf dem Boden und trommelt für den Frieden. Demonstranten schreien auf der Straße und fordern die Wahrheit von der Regierung. Ein Mann schreibt auf sein Shirt „Bush voters are not welcome here“, was die Situation zum Platzen bringt. Ein älterer Herr fühlt sich angegriffen und schreit, das er Bush immer wieder wählen würde und das es sich hier um eine Tragödie handelt, die in den Dreck gezogen wird. Ich hätte nie gedacht, dass es sowas geben wird, aber auch deutliche Bush-Fürworter waren vor Ort: „Support our President and our Troops“ lautete es auf einem Plakat. Überall geraten unterschiedliche Meinungen aufeinander und es war ganz deutlich zu spüren, dass es kein „in between“ gibt. Für oder gegen Bush hieß es an diesem Tage und jeder versuchte seine Meinung zu äußern. 9/11 ist also auch nach fünf Jahren ein sehr heikles Thema. Die Unsischerheit war deutlich spürbar.

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Ganz amerikanisch schickte man an der Stelle, wo das World Trade Center stand zwei blaue Lichtstrahlen in den Himmel und ganz religiös standen Prediger an allen Ecken, um dich „aufzufangen“. Eine wirklich seltsame Stimmung die dort in der Luft lag, aber definitiv ein interessantes Erlebnis. Fast genauso spannend, wie anschließend den Weg wieder Heim zu finden, denn viele Ubahnstationen waren geschlossen, überall Verriegelungen. Man kann nie vorsichtig genug sein – besonders in Amerika???

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Nach soviel Gesellschaft in den vergangenen zwei Wochen war es fast schon ein mulmiges Gefühl alleine mit dem Bus weiterzureisen. Aber unsere Pläne gingen weit auseinander und nach zwei Wochen gemeinsam war für jeden Zeit alleine seine Schritte zu setzen. Susi flog nach Toronto, Julia nach Las Vegas, die Jungs brachen in die Rockies auf und ich fuhr Seattle entgegen. Dort war ich mit Philip verabredet, einem jungen Fotografen mit überdurchschnittlichen tollem Talent. Begeisterungsfähig wie ich bin, schmolz ich beim Anblick der Fotos dahin.

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Nur ein Wochenende sollte es in Seattle werden, was natürlich bei weitem zu wenig ist. Glücklicherweise hatte ich mit Philip einen klaren Heimvorteil und er fuhr mich mit den Auto zu den schönsten Plätzen. So konnte ich innerhalb der kurzen Zeit das meiste mitbekommen.

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Fast war es auch schon, als gehörte ich schon immer dazu. Philips Mitbewohner nahmen mich super lieb auf und ich hatte mein eigenes Zimmer zur Verfügung. Für einen Wochenendgast ganz schön luxuriös. Am ersten Abend gingen wir in einem „New Mexican“ Restaurant essen um „meine Ankunft in den Staaten zu feiern“, wie es hieß. Da ließ ich mich nicht zweimal bitten. Am zweiten Abend waren wir auf der Geburtstagsfeier eines Freundes eingeladen – Noah Star: der Name war Programm. Ich fühlte mich wie in Woodstock und tanzte ausgelassen mit dem Geburtstagskind. Nunja, zumindest nachdem er endlich von der Umarmung mit mir abgelassen hatte. „He is full of love“ hieß es; – na denn 🙂 Man man man, auf Reisen lernt man vielleicht manchmal Leute kennen –

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Ein schöneres „einheimisches“ Wochenende hätte ich gar nicht in Seattle haben können. Damit sich Philip das Reisegeld für den Gegenbesuch in Deutschland leisten kann, hier mal ein bischen Schleichwerbung: Der Kalender „Marokko“ im Weingarten Verlag erschienen für 2007 mit einigen seiner Fotos.
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Am liebsten wären wir in den Rockies geblieben und die Vorstellung „good bye“ sagen zu müssen war schrecklich. Dennoch konnten wir uns auch auf etwas freuen: ein Wiedersehen mit anderen Kanada Exchange Students: „Unsere Braunschweiger“. Der Treffpunkt hieß Vancouver und das Ziel: Vancouver Island. Ausgerüstet mit 2 Autos und neun Leuten ging es nach dem Wandern in den Rockies dem Strand entgegen. Unterschiedlicher hätte unser Urlaub gar nicht sein können. Die urige Natur in den Rockies tauschten wir gegen Ozean und Regenwald aus.

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Unser erstes Reiseziel hieß Tofino. Man merkte gleich, dass die Jungs etwas besser ausgerüstet waren und so gab es zum ersten Mal nach langer Zeit für uns etwas Warmes zu essen und das auch noch am Strand beim Lagerfeuer. (Wir hatten uns die vergangene Woche ausschließelich von Wraps ernährt…) Das Wetter hätte nicht besser sein können und ließ uns viel Spielraum im Wasser rumzuplanschen. Da uns das aber nicht ausreichte musste eine Challenge her. Die heiß surfen. Nach einem Lehrkurs (der mir zu teuer war) leihten wir uns 24 Stunden eigene Boards aus. Wie die Großen fuhren wir stolz mit unserer Ausrüstung auf dem Minivan durchs Dorf. Plötzlich waren wir ein Teil der „Surfer Community“. Das ich die Lehrstunde nicht mitmachte, hielt mich allerdings nicht davon ab, mir auch ein Board auszuleihen. So schwer kann das ja nicht sein, dachte ich so bei mir. (Alle die mit mir letzten Winter Skifahren waren, verdrehen jetzt wahrscheinlich grade die Augen 😉 ja, ich bin unverbesserlich…) Genau zu dem Zeitpunkt, als wir stolz unsere eigenen Surfbretter in den Händen hielten, verdunkelte sich der Himmel und es wurde diesig. Ich wollte jetzt aber unbedingt! Das man die Klippen rechts und links nicht sehen konnte und die See stürmig war, war mir egal. Schnelleinführungskurs durch Freunde. Rein ins Wasser. Das es mich mehrere Mal vom Board gespült hat, so dass ich mich mehr unter als darauf befand, nahm mir den Spaß an der Sache nicht. Im Gegenteil. Zwar bin ich immernoch geplagt mit blauen Flecken, aber ich würde es jederzeit wieder tun. Als wir die Surfbretter am nächsten Nachmittag abgabe, wurde es übrigens wieder tolles Sonnenscheinwetter – war ja klar! Das Anstrengendste an der Sache ist aber auf jeden Fall das An- und Ausziehen des Anzuges. Ehrlich gesagt, dachte ich, ich müßte für immer in meinem bleiben, denn ohne die Hilfe von Torben und Susi, die an allen möglichen Ecken zogen, wäre ich da nie wieder rausgekommen!

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Nach ausgiebiger Regenwalderkundung an der Westküste brachen wir auf zur Ostküste, wo Cassie eine Freundin einer Freundin auf uns wartete. Sie hatte uns netterweise in ihr Elternhaus aufgenommen und wir wurden toll empfangen. Zwar kam bei den Jungs (hallo Kai 😉 ) zwar so ein bischen der „Lagerkoller“ hoch, als wir Mädchen ewig heiß duschten, aber das musste einfach mal wieder sein. Sand finde ich heute noch in allen Taschen, aber das ist ja immer so.

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Um es diesmal etwas ruiger anzugehen und weniger anstrengend machten wir eine Segeltour. Cassies Papa hatte uns auf sein Boot eingeladen. Wir fuhren natürlich unter kanadischer Flagge und durch das gleichmäßige Motorgeräusch schlief der Großteil der Truppe glatt mal ein. (Ist aber auch nichts mehr los mit der Jugend von heute…). Ich hatte sogar die Ehre einen Großteil der Strecke selber zu steuern und bekam alle wichtigen Details erklärt. Offensichtlich stellte ich mich dabei auch gar nicht so blöd an, denn Cassies Papa gab mir den Rat irgendwann mal ein eigenes Boot zu kaufen, denn ich hätte Talent dafür. Och,warum nicht ;-)? Leider bekamen wir keine Delphine oder Orcas zu Gesicht, die sich manchmal dort tummeln sollen, dafür aber viele süße Seerobben!

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Schön war auch die Auffahrt mit der Gondel zum Mount Washington. Dabei entdeckten wir genau unter uns einen kleinen Schwarzbären. So gefällt mir der „Kontakt“ am Besten – mit luftigem Sicherheitsabstand 🙂

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Ich hätte nie gedacht, dass so eine große Gruppe so gut harmonieren kann, aber ich wurde eines Besseren belehrt und hab jeden sehr in mein Herz geschlossen. Da war es fast schon traurig als wir wieder zurück nach Vancouver mussten, was für mich auch der Abschied von Kanada bedeutete. Einen Tag später saß ich im Greyhound nach Seattle. Danke für die tolle Zeit in Kanada!

Ein Sommer am Schreibtisch macht müde und träge. Ungesunde Ernährung inbegriffen. Nicht selten träumten wir also von einer Reise am Ende – weit weg – in die Canadian Rockies. Drei Mädels, die außer einem kleinen Zelt (unser „Huminbird 3“) kaum vorbereitet sind auf Abenteuer-Wildnis-Übernachtungen zogen am 24. September mit dem Flieger gen Westen.

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Um uns nicht gleich der Natur auszusetzen gaben wir uns einen Tag Schonfrist. Über den Hospitalityclub waren wir bei Lisa in Calgary eingeladen, die uns gleich mal mit einem riesen BBQ versorgte. Da Camper zeitig in den Tag aufbrechen zogen wir auch sofort am folgenden Tag um…äh…1 Uhr nachmittags los 🙂 (Ausgeschlafen sein ist auch wichtig…)

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Mit unserem schicken kleinen Auto (Beschreibung nach Hause: „Es ist orange“ – „Oh toll, welches Modell habt ihr denn?“ – „Äh keine Ahung, ABER: es ist orange!“) ging es los in den Banff Nationalpark. Dort nahmen wir uns einen Platz auf der Johnston Canyon Campsite. „Auf jeden Fall immer zusammenbleiben“ meinte der Platzward und quartierte uns nahe ans Mädelsklo, nur für den Fall… Da würde uns der Spaß schon etwas bewußter und ich packte gleich mal meine Bärenklingel aus. Die übrigen Warnschilder taten sein übriges in Punkto Angstauslösung bei mir und so las ich erstmal sämtliche Broschüren die ich ergattern konnte. Mittlerweile kenne ich alles auswendig, auch wenn mir einige Punkte unklar sind:

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Es gibt also zwei Arten des Bärangriffes. Bei ersterer überrascht man den Bären oder er ist mit seinem Nachwuchs unterwegs. In diesem Falle gilt bei einem Schwarzbären: Zusammenbleiben, möglichst groß aussehen, Krach machen. Bei einem Grizzly nützt das aber nix. Hier sollte man sich flach auf den Boden legen, sich totstellen und hoffen, dass er nach 2 Minuten von dir abläßt. Tritt dieser Fall nicht ein gilt: Zurückkämpfen! Bitte??? Da liege ich also und sterbe fast wirklich und dann soll ich mit ihm kämpfen? Wird ja sehr wirksam sein. Bei Nacht gilt übrigens die Regel gleich zurückzukämpfen. Alles klar: ich jedenfalls bin nachts nicht aus dem Zelt… Die kleinen und feinen Unterschiede zwischen Schwarzbären und Grizzlys sorgen zusätzlich für Verwirrung. So darf man bei einem Schwarzbären nicht auf einen Baum klettern (weil er dich da schneller wieder runterholt, als du raufklettern kannst), bei einem Grizzly aber schon. Da sitzt man nun dort oben und wartet, dass entweder der Grizzly verschwindet oder ein Schwarzbär auftaucht… Gleich mal in Fahrt gekommen habe ich mir auch die Broschüren von Elchen, Pumas und Eichhörnchen besorgt.

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Meine gute Vorbereitung sollte sich auch schneller als wir dachten lohnen. Gleich am zweiten Tag stießen wir auf einen Grizzly, der am Straßenrand Beeren fraß. Vorsichtig hielten wir an und stiegen aus. Die Fotografiesucht siegt ein bischen vor der Angst. Mehr als leichtsinnig eigentlich, denn der Bär war keine 30 Meter (von vorgeschlagenen 100 Meter) von uns entfernt und ein kleiner Sprint seinerseits hätte meine Fotos wirklich interessant gemacht. In diesem Moment tauchte ein Ranger auf, der mein Interesse schlagartig umlenkte (man war der süüüß) und gleichzeitig schockte. Während ich Stuss auf englisch faselte, holte er sein Gewehr heraus. Ich höre meine Freundin Julia schreien „Oh nein der erschießt ihn jetzt“ als der Ranger mich bat das Revier zu verlassen. Völlig geschockt fuhren wir langsam weg – die Mädels wegen dem Bär und ich, weil ich so einen Scheiß erzählt habe 🙂

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Dies sollte aber nicht unsere einzige Tiererfahrung werden. Nach einer langen Wanderung packten wir unsere Stullen aus, als ein großer Vogel im Sturzflug auf Julia losging und ihr das Brot aus der Hand riss. Völlig verdattert schaute sie uns an und meinte „Der hat mein Brot geklaut“.

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Tja, die Ernährung ist bei jeder Spezies wichtig, dass dachten sich wohl auch die Wölfe, die die darauffolgende Nacht mit uns „verbrachten“. Auf den Weg in den Jasper Nationalpark hatten wir die chlorreiche Idee auf einen Self-Check-In Campingplatz zu bleiben. Wir waren die Einzigen, die dort mit einem Zelt auftauchten, was sehr vertrauenswürdig aussah. Als wir nachts zusammen die toilettenähnlichen Einrichtungen besuchten hörten wir auf einmal Wolfsgeheul. Wir rannten panisch zu unserem Zelt. Ich war hellwach. Eingemummelt bis über die Nase lauschte ich den Geräuschen. „Sie sind total nah“ – „Nein sind sie nicht“ – „Doch auf jeden Fall“ – „Nicole hör auf uns jetzt Angst zu machen und schlaf“ – „Wie denn bei dem Krach?“ In dem Moment hörte man ein armes Tier richtig laut quietschen. Die Wölfe hatten eine Beute gefunden. Jetzt war es still im Zelt. „Wenigstens sind sie jetzt satt“ fügte ich noch einen letzten Kommentar hinzu. Das war unsere erste und letzte Nacht dort.

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Etwas größeres sollte es dann daraufhin werden und wir trauten unseren Augen nicht, als auf der Karte für unseren nächsten Campingplatz stand: Danger! Elks! Klingt lustig, aber wie ich durch meine gute Vorbereitung wußte, ist auch mit Elchen nicht unbedingt zu spaßen. Wir fuhren zu unserem Platz und trauten unseren Augen nicht, als 3 Meter neben unserer Stelle eine komplette Elchherde graste. So geschah es die folgende Nacht, dass wir abermals durch ein Geräusch aufwachten. Keiner sagte etwas. Ich erst Recht nicht. Bis endlich Julia das Schweigen brach: „Sagt mal frisst da ein Elch neben unserem Zelt?“ – „Ja antwortete ich“, denn er war ausgerechnet auch noch auf meiner Seite. Die Kaugeräusche klangen lustig, dennoch waren wir in Sorge, dass er mit seinem Geweih die zeltwand durchbohrt oder über unsere Strippen stürzt und alles einreißt. Susi allerdings hatte noch ganz andere Bedenken: „Hoffentlich scheißt der nicht vor den Eingang“. Na damit war ja alles geklärt 🙂

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Unsere Woche in den Rockies hat uns geprägt und jeden Tag verliebten wir uns mehr in die gewaltigen Berge (nach einem Jahr in Ontario war das auch echt mal nötig) und die türkisblauen Gletscherseen. Ausgerüstet mit meiner Bärklingel (man war die nervtötend) wanderten wir jeden Tag kleine Strecken. Der Unialltag war schon nach einem Tag total vergessen! Unsere Erlebnisse werden wir noch unseren Enkeln erzählen und irgendwann werden wir wiederkommen: dann für länger!!!

Ich bin nicht nur ständig am Essen 😉

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