Ein Sommer am Schreibtisch macht müde und träge. Ungesunde Ernährung inbegriffen. Nicht selten träumten wir also von einer Reise am Ende – weit weg – in die Canadian Rockies. Drei Mädels, die außer einem kleinen Zelt (unser „Huminbird 3“) kaum vorbereitet sind auf Abenteuer-Wildnis-Übernachtungen zogen am 24. September mit dem Flieger gen Westen.

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Um uns nicht gleich der Natur auszusetzen gaben wir uns einen Tag Schonfrist. Über den Hospitalityclub waren wir bei Lisa in Calgary eingeladen, die uns gleich mal mit einem riesen BBQ versorgte. Da Camper zeitig in den Tag aufbrechen zogen wir auch sofort am folgenden Tag um…äh…1 Uhr nachmittags los🙂 (Ausgeschlafen sein ist auch wichtig…)

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Mit unserem schicken kleinen Auto (Beschreibung nach Hause: „Es ist orange“ – „Oh toll, welches Modell habt ihr denn?“ – „Äh keine Ahung, ABER: es ist orange!“) ging es los in den Banff Nationalpark. Dort nahmen wir uns einen Platz auf der Johnston Canyon Campsite. „Auf jeden Fall immer zusammenbleiben“ meinte der Platzward und quartierte uns nahe ans Mädelsklo, nur für den Fall… Da würde uns der Spaß schon etwas bewußter und ich packte gleich mal meine Bärenklingel aus. Die übrigen Warnschilder taten sein übriges in Punkto Angstauslösung bei mir und so las ich erstmal sämtliche Broschüren die ich ergattern konnte. Mittlerweile kenne ich alles auswendig, auch wenn mir einige Punkte unklar sind:

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Es gibt also zwei Arten des Bärangriffes. Bei ersterer überrascht man den Bären oder er ist mit seinem Nachwuchs unterwegs. In diesem Falle gilt bei einem Schwarzbären: Zusammenbleiben, möglichst groß aussehen, Krach machen. Bei einem Grizzly nützt das aber nix. Hier sollte man sich flach auf den Boden legen, sich totstellen und hoffen, dass er nach 2 Minuten von dir abläßt. Tritt dieser Fall nicht ein gilt: Zurückkämpfen! Bitte??? Da liege ich also und sterbe fast wirklich und dann soll ich mit ihm kämpfen? Wird ja sehr wirksam sein. Bei Nacht gilt übrigens die Regel gleich zurückzukämpfen. Alles klar: ich jedenfalls bin nachts nicht aus dem Zelt… Die kleinen und feinen Unterschiede zwischen Schwarzbären und Grizzlys sorgen zusätzlich für Verwirrung. So darf man bei einem Schwarzbären nicht auf einen Baum klettern (weil er dich da schneller wieder runterholt, als du raufklettern kannst), bei einem Grizzly aber schon. Da sitzt man nun dort oben und wartet, dass entweder der Grizzly verschwindet oder ein Schwarzbär auftaucht… Gleich mal in Fahrt gekommen habe ich mir auch die Broschüren von Elchen, Pumas und Eichhörnchen besorgt.

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Meine gute Vorbereitung sollte sich auch schneller als wir dachten lohnen. Gleich am zweiten Tag stießen wir auf einen Grizzly, der am Straßenrand Beeren fraß. Vorsichtig hielten wir an und stiegen aus. Die Fotografiesucht siegt ein bischen vor der Angst. Mehr als leichtsinnig eigentlich, denn der Bär war keine 30 Meter (von vorgeschlagenen 100 Meter) von uns entfernt und ein kleiner Sprint seinerseits hätte meine Fotos wirklich interessant gemacht. In diesem Moment tauchte ein Ranger auf, der mein Interesse schlagartig umlenkte (man war der süüüß) und gleichzeitig schockte. Während ich Stuss auf englisch faselte, holte er sein Gewehr heraus. Ich höre meine Freundin Julia schreien „Oh nein der erschießt ihn jetzt“ als der Ranger mich bat das Revier zu verlassen. Völlig geschockt fuhren wir langsam weg – die Mädels wegen dem Bär und ich, weil ich so einen Scheiß erzählt habe🙂

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Dies sollte aber nicht unsere einzige Tiererfahrung werden. Nach einer langen Wanderung packten wir unsere Stullen aus, als ein großer Vogel im Sturzflug auf Julia losging und ihr das Brot aus der Hand riss. Völlig verdattert schaute sie uns an und meinte „Der hat mein Brot geklaut“.

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Tja, die Ernährung ist bei jeder Spezies wichtig, dass dachten sich wohl auch die Wölfe, die die darauffolgende Nacht mit uns „verbrachten“. Auf den Weg in den Jasper Nationalpark hatten wir die chlorreiche Idee auf einen Self-Check-In Campingplatz zu bleiben. Wir waren die Einzigen, die dort mit einem Zelt auftauchten, was sehr vertrauenswürdig aussah. Als wir nachts zusammen die toilettenähnlichen Einrichtungen besuchten hörten wir auf einmal Wolfsgeheul. Wir rannten panisch zu unserem Zelt. Ich war hellwach. Eingemummelt bis über die Nase lauschte ich den Geräuschen. „Sie sind total nah“ – „Nein sind sie nicht“ – „Doch auf jeden Fall“ – „Nicole hör auf uns jetzt Angst zu machen und schlaf“ – „Wie denn bei dem Krach?“ In dem Moment hörte man ein armes Tier richtig laut quietschen. Die Wölfe hatten eine Beute gefunden. Jetzt war es still im Zelt. „Wenigstens sind sie jetzt satt“ fügte ich noch einen letzten Kommentar hinzu. Das war unsere erste und letzte Nacht dort.

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Etwas größeres sollte es dann daraufhin werden und wir trauten unseren Augen nicht, als auf der Karte für unseren nächsten Campingplatz stand: Danger! Elks! Klingt lustig, aber wie ich durch meine gute Vorbereitung wußte, ist auch mit Elchen nicht unbedingt zu spaßen. Wir fuhren zu unserem Platz und trauten unseren Augen nicht, als 3 Meter neben unserer Stelle eine komplette Elchherde graste. So geschah es die folgende Nacht, dass wir abermals durch ein Geräusch aufwachten. Keiner sagte etwas. Ich erst Recht nicht. Bis endlich Julia das Schweigen brach: „Sagt mal frisst da ein Elch neben unserem Zelt?“ – „Ja antwortete ich“, denn er war ausgerechnet auch noch auf meiner Seite. Die Kaugeräusche klangen lustig, dennoch waren wir in Sorge, dass er mit seinem Geweih die zeltwand durchbohrt oder über unsere Strippen stürzt und alles einreißt. Susi allerdings hatte noch ganz andere Bedenken: „Hoffentlich scheißt der nicht vor den Eingang“. Na damit war ja alles geklärt🙂

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Unsere Woche in den Rockies hat uns geprägt und jeden Tag verliebten wir uns mehr in die gewaltigen Berge (nach einem Jahr in Ontario war das auch echt mal nötig) und die türkisblauen Gletscherseen. Ausgerüstet mit meiner Bärklingel (man war die nervtötend) wanderten wir jeden Tag kleine Strecken. Der Unialltag war schon nach einem Tag total vergessen! Unsere Erlebnisse werden wir noch unseren Enkeln erzählen und irgendwann werden wir wiederkommen: dann für länger!!!