Dezember 2006


Es ist offiziell: ich bin süchtig nach Frühstückswürstchen & Ei . . .

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. . . das Melonenstückchen auf dem Teller dient nur der seelischen Beruhigung

> Ein Jahr Kanada blieb doch nicht ohne Folgen ! ! ! 😉 <

Eis – mal wieder das Verlangen nach Süßigkeiten. Kommt bei mir öfters vor und nach einem ausgiebigem herzhaften Mensa-Essen hatte ich diesmal eine Leidensgenossin. Auf dem Weg zur Eisdiele kamen wir zwangsläufig an einem Reisebüro vorbei. Fast schon flüchtig streiften wir die Sonderangebote, doch dann wurden wir schnell stutziger: 7 Tage Canaren für 299€ – aus dem anfänglichen Witzchen wurde auf einmal ernst. Warum eigentlich nicht? Reif für die Insel sind wir allemal! Also hinein ins Reisebüro und mal nachgehakt: Was für Schnäppchen haben Sie denn noch?

Leider erkannte die Reisefachfrau ( ist das die richtige Bezeichnung? ) überhaupt nicht unser Bedürfnis: sehen – verlieben – zuschlagen. Wie bei so vielem im Leben. Dagegen fragte sie nach genauem Reisetermin und Preislimit. Wir hatten noch nicht aufgegeben: machen Sie doch mal ein paar Vorschläge. Ihr Topangebot: eine Woche Ägypten, irgendwann Mitte Januar im 5 Sterne Hotel mit super Showprogramm. Bitte? Sehen wir so aus als könnten wir uns nicht mehr selbst beschäftigten und bräuchten Animation? Und wie spontan ist eigentlich „Mitte Januar“? Zu dem 5 Sterne Hotel wollte ich mich am liebsten gar nicht mehr äußern. Vielleicht in 30 Jahren, wenn ich eine Ausrede brauche um nicht mehr mit meinem Mann schlafen zu müssen und spaßig organisierter Cluburlaub vom eigentlichen Leben ablenkt. Völlig niedergeschlagen von diesem Angebot gingen wir wieder aus dem Reisebüro. Spontan eine Woche in alle Richtungen verwehen lassen wäre so schön gewesen. Aber das scheint völlig ausgeschlossen… ODER ?

Ich träumte schon seit Jahren davon: endlich mal wieder ein Knödel-Essen in der WG. Damals war es das Einstandsessen eines neuen Mitbewohner. Jetzt gab es endlich eine Reunion: mit dem längst nicht mehr neuen Mitbewohner, wiederum sehr neuen Mitbewohnern und dem Wichtigstem: Knödel!

  • 16.00

Ich hatte den ganzen Tag journalistische Übung. Kaum Pausen und das nach einer durchzechten Nacht. Gleich sollten die Gäste kommen und es war kaum etwas vorbereitet. Weder der Einkauf noch die geplante Gemütlichkeit. Ich schnappte mir meinen Mitbewohner (neu) und stürmte zum Supermarkt. Dabei telefonierend – um die Zutaten zu erfahren – wären wir bei meinen Auto-Fahr-Telefonier-Künsten beinah gar nicht dort angekommen. Schnell durchgehetzt. Fertig. Zurück. Tisch decken. Warten.

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  • 20.00

Das Esszimmer blitzt. Weihnachtsbäumchen und Adventskranz ins rechte Licht gerückt. Gläser poliert. Musikalische Untermalung. Gleich kommen sie: die lang ersehnten Gäste – mit ziemlicher Verspätung. Wir lassen uns nicht beirren und fangen schon mal mit einem Kaffeelikörchen an. Man gönnt sich ja sonst nix. In dem Moment klingelt es endlich und das Haus füllt sich in Sekundenschnelle.

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  • 20.30

Erste Schwierigkeiten: Es entsteht eine Diskussion zwischen Knödelabteilung (Mitbewohner, alt) und Soßenfraktion (Freunde). Da die Runde auch noch größer wurde als vorerst geplant fehlte auch noch Brot. Um der Diskussion aus dem Weg zu gehen meldete ich mich freiwillig um zum Gastronomiebetrieb meines Vertrauens zu pilgern und dort unseren Vorrat etwas aufzustocken.

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  • 21.00

Ich halte es nicht mehr aus vor Hunger. Zur Überbrückung trinke ich erstmal mit meinem Mitbewohner (neu) etwas Wein. Die Küche war eh überfüllt. Anschließend hatte ich die Ehre die Soße zu probieren. Es ist so toll Gäste zu haben, die auch noch selber kochen!

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  • 21.30

Endlich ist alles fertig. Mein Magen schlug bereits den Bass zur Musik. Das Essen: einzigartig. Bei Wein und Kerzenschein saßen wir noch bis in die Nacht. Tauschten Geschichten aus, die dieses Haus im Laufe der Jahre bereits erlebt hatte. Das nächste Mal vielleicht ja auch über unser Knödel-Essen.

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Immer wieder schön alle Lieben um sich zu haben. Hoffentlich bis ganz bald!

Wir waren jung, entschlossen und hoch motiviert: ab morgen sollte sich alles ändern. Die Einstellung zum Studium und damit mehr Beflissenheit endlich liegengebliebene Arbeiten aufzurollen. Und dann war er da, der „Morgen“. Um die ganze Angelegenheit auch realistisch zu gestalten steckten wir die Ziele nicht ganz so hoch: 9.30 Uhr reicht auch – dann aber voller Ehrgeiz, ausgestattet mit eigenem Laptop, in der Bibliothek. Trotz spätem Salsa-Unterricht am Vorabend und verlängerten Mitternachtsimbiss mit meinem Mitbewohner stand ich trotzdem gegen 8.00 Uhr auf. Ich schaffte es endlich einige persönliche Termine auszumachen (Wahnsinn das auch andere Menschen um diese Zeit schon wach sind…) und saß pünktlich in der Bibliothek. Das der erste Versuch, mit meinem PC ins Internet zu gehen, scheiterte riss mich nicht aus meinem Vorhaben. Ich begann zu recherchieren. Nach 2 Stunden kam dann auch endlich meine Freundin – das akademische Viertel Stündchen voll ausgereizt 🙂 . Meine Motivation war auch schon etwas gewichen, denn irgendwie kam ich nicht voran. Machte aber auch gar nichts – lag bestimmt am leeren Magen – also erstmal hoch motiviert ab in die Mensa. Die Auswahl war berauschend und während ich schweren Herzens die „7-Schwaben-Platte“ nahm, orderte meine Freundin „Pommes mit…nochmal Pommes“. Auch schön. Sonst bestellen das gerne mal Erasmus-Studenten, die das Mensa-System noch nicht so ganz durchschaut haben. Zwischen all den Mensa-Gängern kamen wir uns fremd vor. Während meiner ganzen Studienzeit war ich vielleicht 2-Mal hier. Wir kannten niemanden. Machte nix: wir hatten trotzdem Spaß. Als ich laut auflachen mußte und alle in sich versunkenen Studenten aufschreckten, erklärte meine Freundin laut in die Runde: „Ich nix deutsch – Erasmus – gehöre nicht zu ihr“. Als dann auch noch eine gemeine Duftwolke eines Studienkollegen, der offensichtlich die „7-Schwaben-Platte“ nicht vertrug zu uns rüberzog, beschlossen wir schnell das kleinere Übel vorzuziehen: der 2. Lerneinsatz für diesen Tag.

Zurück in der Bibliothek ging alles gleich viel besser. Das Internet funktionierte und das ernsthafte Arbeiten begann. Na gut, unterbrochen von ein bischen Feldforschung: Man glaubt gar nicht welches Klientel sich dort alles trifft. Mit größtem Bedenken ließ ich die zwei Männern nicht aus den Augen, die ständig an uns vorbei liefen. Der eine, der dabei offensichtlich die Moves für die am selben Tage noch stattfindende Studio 54-Party übte und der andere, der uns selbst zu den Schließfächern und in die Mensa verfolgte. Wahrscheinlich sind wir in den Lebensraum einer eingeschworenen Gang eingebrochen und jetzt bleibt abzuwarten, wann wir als selbstverständlich aufgenommen werden. Zwischen Sicherheitsbeobachtungen und Medienökonomie interessierte mich vorallem eines: Wann findet jetzt eigentlich unser Knödel-Essen statt? Genau in diesem Moment erhielt ich eine Mail: Freitag. Supi. Am liebsten hätte ich diese Neuigkeit gleich mit meiner Freundin geteilt aber im Zuge von: leise sein und Rücksicht machte ich mit dezentem Winken auf mich aufmerksam (sie saß wohl bemerkt etwas entfernt). Während ich mit den Lippen ein „Freitag“ formte, griff ich mir beherzt mit beiden Händen an knödelähnliche weibliche Körperteile. Natürlich verstand sie sofort mußte aber gleichzeitig so lachen, dass ich schon die Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Erstickungsgefahr herauskramen wollte. Mittlerweile konnte auch ich nicht mehr an mich halten und so saßen wir da: beide mit dem Gesicht hinterm Monitor verkrochen und nur ab und zu kam ein Lach-Schluchz-Geräusch. Dazwischen empörtes „Psschhhht“ (Ich wurde übrigens schon aus-ge-pssssccht als ich nur die Bibliothek betrat. Darf man nicht mal fröhlich sein?). Zur Abkühlung ging ich zur Toilette. Als ich wiederkam hatte meine Freundin schon beide Laptops abgebaut: „So, genug für heute“. Wir waren echt mal fleissig! Aber Morgen: da fangen wir dann an – WIRKLICH! 🙂

Es war schon fast unmöglich Bern mit dem Auto überhaupt zu erreichen: nachdem meine Mitfahrgelegenheit wegen dem kurzen Aufenthalt in der Schweiz und dem drohenden Jahresende keine Vignette mehr kaufen wollte schlichen wir uns durch die kleinsten Dörfer und höchsten Schluchten (na wenigstens sahen wir etwas von der Schweiz – bei Nacht) an die Hauptstadt heran. Angekommen verhielt sich die Wegessituation aber kein Stückchen besser. Überall wurde abgesperrt und umgeleitet. Grund: der jährliche Zibelemärit (=Zwiebelmarkt). Rund 700 Marktstände kommen an diesem Tage einmalig zusammen. Da hieß es zeitig aufstehen, denn bereits um 4 Uhr morgens können die ersten Waren ersteigert werden.

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Wie sollte es auch anders sein wurde die Tradition schnell zum Folklorismus und neben dem eigentlichen Verkauf der Zwiebelkränze gibt es heutzutage Zwiebeln die zu kleinen Schweinchen oder ähnlichem Getier (mein Favorit: der Tausendfüßler) umfunktioniert wurden sowie: der gänzliche Verzicht auf Zwiebeln und damit Kränze, die leckere Süßigkeiten birgen. Ausuferungen wie die auf jedem Markt üblichen Raggae-Banner und einem Deutschen der Fensterputzmittel unters Volk bringen wollte (peinlich…) waren natürlich auch zu beobachten. Der absolute Renner dieses Jahr war aber eindeutig das Ice Age Eichhörnchen (hat das überhaupt einen Namen?). Da lief ich nichts Böses ahnend durch die Gassen und stehe plötzlich neben einem hohen Stand von dem aus mich unzählbar viele Eichhörnchen-Glubschaugen mitleidig anschauen. Herzlos aufgespießt. Ich mußte an mich halten, aber – ganz stolz – ich kaufte keinen.

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Gerade vom Eichhörnchen-Schock erholt zog mir ein Kleinkind mit einem Gummihammer eins über. Versehen – denke ich bei mir – bis auf einmal zwei erwachsene Männer auf mich zurennen und die Prozedur mit ihren quietschenden Folterinstrumenten wiederholen. Offensichtlich üblich hier und nach ein paar Stunden Markttreiben verlor ich endgültig die Orientierung. Wo war ich nochmal?? Zwiebeln – Eichhörnchen – Fenster putzen: achja – Zibelemärit Bern. Nachdem ich dann auch noch in eine Konfetti-Schlacht geriet, kapitulierte ich endgültig und stieg in den Zug nach Lausanne: bis zum nächsten Jahr 😉 ?

Ich war in der 6.ten Klasse als ich „die Großen“ beneidete: um ihren letzten Schultag. Wir zählten die Tage, um endlich auch durchs Schulhaus zu stürmen, feiern zu können und einen großen Sprung zu machen: hinaus in die Zukunft. Dieser Tag kam irgendwie unmerklich schnell und heute – 5 Jahre aus der Schule ist er fast schon verschwommen. Allein die selbstbemalte Hippie-Schlagjeans, die ich trug liegt noch sentimental im Schrank und erinnert an „die Jugend“ (?) ! Damit jährt sich aber noch ein ganz anderes Datum: mein Einstieg in die Journalistik. (Na gut, 5 Jahre Journalistik-Studium hätten mich lehren sollen, dass man einen solchen Bericht nicht unbedingt mit Erlebnissen aus der 6.ten Klasse beginnt, aber was raus mußte, muß raus 🙂 ).

Damals begann ich ein 6monatiges (ups, schon wieder die 6 – na dann passt es ja doch wieder) Praktikum beim Offenen Kanal Gera. Die Zeit genoss ich sehr und mit der Aufgabe, eine eigene Zeitungsseite gestalten zu können, war ich im journalistischem Praktikanten-Paradies. Noch heute denke ich gerne an die Zeit zurück: die lieben Kollegen mit denen man im Foyer einen Kaffee getrunken hat, die lustige Weihnachtssendung für die ich die Zwischenmoderationen sprach – natürlich mit perfekter Weihnachtsbaumdeko und schlussendlich: jeder Menge verrückter Ideen mit denen ich aus diesem Praktikum herausgekommen bin. Egal wo es mich hin verschlug: verabschiedet habe ich mich nie ganz vom Offenen Kanal und das Käffchen steht netterweise immer noch bereit. Der sentimentale Erinnerungshöhepunkt aber fand sich dann vor nicht all zu langer Zeit: auf der Geburtstagsfeier meiner geliebten Praktikumsstelle. Zehn Jahre galt es anzustoßen und neben dem schönen Abend mit vielen bekannten Gesichtern, war es auch zusätzlich ungewohnt mal wieder in meiner alten Heimatstadt Gera (und dann auch noch in Begleitung einer lieben ehemaligen Schulkollegin) „auf die Piste“ zu gehen. Jaja: die Zeit vergeht viel zu schnell – Genießt sie solange ihr noch könnt – Wer weiß, ob wir bei 20 Jahre OKG noch die Nacht durchtanzen können und: so jung kommen wir nie wieder zusammen – Na gut, jetzt ist aber Schluß 😉 !

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