Es war schon fast unmöglich Bern mit dem Auto überhaupt zu erreichen: nachdem meine Mitfahrgelegenheit wegen dem kurzen Aufenthalt in der Schweiz und dem drohenden Jahresende keine Vignette mehr kaufen wollte schlichen wir uns durch die kleinsten Dörfer und höchsten Schluchten (na wenigstens sahen wir etwas von der Schweiz – bei Nacht) an die Hauptstadt heran. Angekommen verhielt sich die Wegessituation aber kein Stückchen besser. Überall wurde abgesperrt und umgeleitet. Grund: der jährliche Zibelemärit (=Zwiebelmarkt). Rund 700 Marktstände kommen an diesem Tage einmalig zusammen. Da hieß es zeitig aufstehen, denn bereits um 4 Uhr morgens können die ersten Waren ersteigert werden.

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Wie sollte es auch anders sein wurde die Tradition schnell zum Folklorismus und neben dem eigentlichen Verkauf der Zwiebelkränze gibt es heutzutage Zwiebeln die zu kleinen Schweinchen oder ähnlichem Getier (mein Favorit: der Tausendfüßler) umfunktioniert wurden sowie: der gänzliche Verzicht auf Zwiebeln und damit Kränze, die leckere Süßigkeiten birgen. Ausuferungen wie die auf jedem Markt üblichen Raggae-Banner und einem Deutschen der Fensterputzmittel unters Volk bringen wollte (peinlich…) waren natürlich auch zu beobachten. Der absolute Renner dieses Jahr war aber eindeutig das Ice Age Eichhörnchen (hat das überhaupt einen Namen?). Da lief ich nichts Böses ahnend durch die Gassen und stehe plötzlich neben einem hohen Stand von dem aus mich unzählbar viele Eichhörnchen-Glubschaugen mitleidig anschauen. Herzlos aufgespießt. Ich mußte an mich halten, aber – ganz stolz – ich kaufte keinen.

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Gerade vom Eichhörnchen-Schock erholt zog mir ein Kleinkind mit einem Gummihammer eins über. Versehen – denke ich bei mir – bis auf einmal zwei erwachsene Männer auf mich zurennen und die Prozedur mit ihren quietschenden Folterinstrumenten wiederholen. Offensichtlich üblich hier und nach ein paar Stunden Markttreiben verlor ich endgültig die Orientierung. Wo war ich nochmal?? Zwiebeln – Eichhörnchen – Fenster putzen: achja – Zibelemärit Bern. Nachdem ich dann auch noch in eine Konfetti-Schlacht geriet, kapitulierte ich endgültig und stieg in den Zug nach Lausanne: bis zum nächsten Jahr😉 ?