Wir waren jung, entschlossen und hoch motiviert: ab morgen sollte sich alles ändern. Die Einstellung zum Studium und damit mehr Beflissenheit endlich liegengebliebene Arbeiten aufzurollen. Und dann war er da, der „Morgen“. Um die ganze Angelegenheit auch realistisch zu gestalten steckten wir die Ziele nicht ganz so hoch: 9.30 Uhr reicht auch – dann aber voller Ehrgeiz, ausgestattet mit eigenem Laptop, in der Bibliothek. Trotz spätem Salsa-Unterricht am Vorabend und verlängerten Mitternachtsimbiss mit meinem Mitbewohner stand ich trotzdem gegen 8.00 Uhr auf. Ich schaffte es endlich einige persönliche Termine auszumachen (Wahnsinn das auch andere Menschen um diese Zeit schon wach sind…) und saß pünktlich in der Bibliothek. Das der erste Versuch, mit meinem PC ins Internet zu gehen, scheiterte riss mich nicht aus meinem Vorhaben. Ich begann zu recherchieren. Nach 2 Stunden kam dann auch endlich meine Freundin – das akademische Viertel Stündchen voll ausgereizt🙂 . Meine Motivation war auch schon etwas gewichen, denn irgendwie kam ich nicht voran. Machte aber auch gar nichts – lag bestimmt am leeren Magen – also erstmal hoch motiviert ab in die Mensa. Die Auswahl war berauschend und während ich schweren Herzens die „7-Schwaben-Platte“ nahm, orderte meine Freundin „Pommes mit…nochmal Pommes“. Auch schön. Sonst bestellen das gerne mal Erasmus-Studenten, die das Mensa-System noch nicht so ganz durchschaut haben. Zwischen all den Mensa-Gängern kamen wir uns fremd vor. Während meiner ganzen Studienzeit war ich vielleicht 2-Mal hier. Wir kannten niemanden. Machte nix: wir hatten trotzdem Spaß. Als ich laut auflachen mußte und alle in sich versunkenen Studenten aufschreckten, erklärte meine Freundin laut in die Runde: „Ich nix deutsch – Erasmus – gehöre nicht zu ihr“. Als dann auch noch eine gemeine Duftwolke eines Studienkollegen, der offensichtlich die „7-Schwaben-Platte“ nicht vertrug zu uns rüberzog, beschlossen wir schnell das kleinere Übel vorzuziehen: der 2. Lerneinsatz für diesen Tag.

Zurück in der Bibliothek ging alles gleich viel besser. Das Internet funktionierte und das ernsthafte Arbeiten begann. Na gut, unterbrochen von ein bischen Feldforschung: Man glaubt gar nicht welches Klientel sich dort alles trifft. Mit größtem Bedenken ließ ich die zwei Männern nicht aus den Augen, die ständig an uns vorbei liefen. Der eine, der dabei offensichtlich die Moves für die am selben Tage noch stattfindende Studio 54-Party übte und der andere, der uns selbst zu den Schließfächern und in die Mensa verfolgte. Wahrscheinlich sind wir in den Lebensraum einer eingeschworenen Gang eingebrochen und jetzt bleibt abzuwarten, wann wir als selbstverständlich aufgenommen werden. Zwischen Sicherheitsbeobachtungen und Medienökonomie interessierte mich vorallem eines: Wann findet jetzt eigentlich unser Knödel-Essen statt? Genau in diesem Moment erhielt ich eine Mail: Freitag. Supi. Am liebsten hätte ich diese Neuigkeit gleich mit meiner Freundin geteilt aber im Zuge von: leise sein und Rücksicht machte ich mit dezentem Winken auf mich aufmerksam (sie saß wohl bemerkt etwas entfernt). Während ich mit den Lippen ein „Freitag“ formte, griff ich mir beherzt mit beiden Händen an knödelähnliche weibliche Körperteile. Natürlich verstand sie sofort mußte aber gleichzeitig so lachen, dass ich schon die Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Erstickungsgefahr herauskramen wollte. Mittlerweile konnte auch ich nicht mehr an mich halten und so saßen wir da: beide mit dem Gesicht hinterm Monitor verkrochen und nur ab und zu kam ein Lach-Schluchz-Geräusch. Dazwischen empörtes „Psschhhht“ (Ich wurde übrigens schon aus-ge-pssssccht als ich nur die Bibliothek betrat. Darf man nicht mal fröhlich sein?). Zur Abkühlung ging ich zur Toilette. Als ich wiederkam hatte meine Freundin schon beide Laptops abgebaut: „So, genug für heute“. Wir waren echt mal fleissig! Aber Morgen: da fangen wir dann an – WIRKLICH!🙂